Leadership im Wandel: Die wichtigsten Erkenntnisse vom AI Leadership Forum und SAFe Leadership Forum 2026

Was braucht es, damit künstliche Intelligenz echten Mehrwert schafft? Wie gelingt Agilität über einzelne Teams hinaus? Und welche Rolle spielt Leadership in einer Welt, in der sich Technologien und Organisationen immer schneller verändern?
Am 22. Oktober 2026 standen diese Fragen in Zürich im Mittelpunkt des AI Leadership Forums (ALF) und des SAFe Leadership Forums (SLF). Zwei Konferenzen, unterschiedliche Perspektiven – und eine gemeinsame Erkenntnis: Nachhaltige Transformation ist vor allem eine Führungsaufgabe.
Praxisberichte, Keynotes und interaktive Workshops zeigten, wie Unternehmen und Organisationen mit KI, agilen Arbeitsweisen und neuen Führungsmodellen umgehen. Dabei ging es nicht nur um Möglichkeiten und Potenziale, sondern auch um Herausforderungen, Fehlentwicklungen und konkrete Erfahrungen aus der Praxis.
Wir blicken auf sechs zentrale Erkenntnisse zurück.
1. AI Leadership bedeutet mehr als den Einsatz von KI
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur, wie wir arbeiten, sondern auch, wie wir führen und Entscheidungen treffen.
Anand Murthy Raj beleuchtete in The New Definition of AI Leadership, wie sich Leadership im KI-Zeitalter weiterentwickeln muss. Ein zentraler Aspekt: Führungskräfte müssen hinter überzeugende Präsentationen, positive Kennzahlen und scheinbar eindeutige Ergebnisse blicken und die tatsächliche Realität in ihren Organisationen verstehen.
Wie wichtig das ist, verdeutlichte Saahil Panikar mit Where's Batman's Timesheet?. Sein interaktiver Vortrag zeigte, welche Risiken entstehen, wenn KI-Systeme Leistungsdaten interpretieren, ohne den menschlichen Kontext zu kennen. Ein Team, das regelmässig mehr liefert als geplant, erscheint aus Datensicht besonders leistungsfähig. Dahinter können jedoch Überlastung, steigende Fehlerquoten und ungesunde Arbeitsbedingungen stehen.
Die Konsequenz: KI braucht nicht nur gute Daten, sondern auch Menschen, die Ergebnisse kritisch hinterfragen und Verantwortung übernehmen.
2. Von AI-Experimenten zu messbarem Business Value
Dass KI mehr sein kann als eine Sammlung isolierter Pilotprojekte, zeigte Biase De Gregorio anhand eines Unternehmensverbunds mit 17 Geschäftseinheiten.
Unter dem Titel One North Star, 17 Businesses präsentierte er einen Ansatz, der eine gemeinsame KI-Vision mit dezentraler Umsetzung verbindet. Dazu gehören Governance-Standards, ein gemeinsames AI Hub, Weiterbildung und konkrete Use Cases.
Die Praxisbeispiele reichten von intelligenter Dokumentensuche über Wettbewerbsanalysen bis hin zu automatisierten Management-Reports.
Eine wichtige Erkenntnis: Technische Möglichkeiten allein reichen nicht. Für eine erfolgreiche Skalierung braucht es Unterstützung durch das Management, gemeinsame Leitplanken und einen klaren Blick auf die tatsächliche Wirkung.
Auch die Keynote zur AI-Native Transformation machte deutlich, dass die entscheidende Frage nicht mehr nur lautet, ob Unternehmen KI einsetzen. Viel wichtiger ist, ob KI messbar zur Verbesserung von Produkten, Kundennutzen und Geschäftsprozessen beiträgt.
Der Fokus verschiebt sich von «Was können wir mit KI machen?» zu «Welches Problem lösen wir damit?»
3. AI Agents verändern die Zusammenarbeit – und die Verantwortung
Ein weiterer Schwerpunkt war der zunehmende Einsatz von AI Agents.
Jan Wloka zeigte in Harness the Beast, wie Agenten bereits heute Aufgaben in der Softwareentwicklung übernehmen können. Mit steigender Autonomie wachsen allerdings auch die Anforderungen an Sicherheit, Qualitätskontrolle und klare Entscheidungsbefugnisse.
Sein Ansatz des Harness Engineering verdeutlichte, dass Organisationen die Rahmenbedingungen für autonome Systeme bewusst gestalten müssen: Was darf ein Agent entscheiden? Welche Kontrollmechanismen greifen? Und wo bleibt menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar?
Peter Pedross griff mit Quality in the Age of AI ähnliche Fragen auf. Sein Ansatz verbindet Compliance, Qualitätssicherung und KI-gestützte Arbeitsweisen. Im Mittelpunkt steht die Idee, Governance und Nachvollziehbarkeit direkt in die Wertschöpfung einzubauen, statt nachträglich zusätzliche Kontrollen aufzusetzen.
Dass AI Agents auch kleinere Organisationen grundlegend verändern können, zeigte Peter Zylka-Greger mit einem Blick hinter die Kulissen von LetPeople.Work. Sein Praxisbeispiel machte sichtbar, wie ein kleines Team Entscheidungen, Entwicklung und Auslieferung durch strukturierte Informationen und KI-Unterstützung miteinander verbindet.
Die gemeinsame Botschaft: Je mehr Aufgaben KI selbständig übernimmt, desto wichtiger werden klare Verantwortlichkeiten, transparente Entscheidungen und verlässliche Qualitätsmechanismen.
4. Agilität muss Wirkung erzeugen – nicht zusätzliche Strukturen
Auch beim SAFe Leadership Forum stand die Frage nach dem tatsächlichen Mehrwert im Zentrum.
Markus Willner beleuchtete in When Scaling Agility Mutates, wie agile Transformationen durch immer mehr Rollen, Meetings und Prozesse an Wirksamkeit verlieren können. Seine zentrale Botschaft: Nicht die Strukturen müssen skaliert werden, sondern Klarheit, Entscheidungsfähigkeit und Zusammenarbeit.
Wie diese Entwicklung in der Praxis aussieht, zeigten Hubert Willimann und Rolf Epp mit ihrem Erfahrungsbericht SAFe ist nur der Anfang. Das Beispiel der CSS verdeutlichte, dass die Einführung agiler Arbeitsweisen zwar wichtige Veränderungen anstösst, die eigentliche Transformation aber weit über agile Teams hinausgeht.
Strategie, Budgetierung, Portfoliosteuerung und Führungsprozesse müssen ebenfalls weiterentwickelt werden, damit Agilität organisationsweit Wirkung entfalten kann.
Die zentrale Erkenntnis: Ein Framework einzuführen ist nicht das Ziel. Entscheidend ist, ob die Organisation dadurch schneller lernt, besser entscheidet und mehr Wert schafft.
5. Transformation funktioniert auch in komplexen Organisationen
Besonders eindrücklich waren die Einblicke in Organisationen mit hohen regulatorischen Anforderungen und gewachsenen Strukturen.
Michael Gysi zeigte am Beispiel von swisstopo, wie Lean Portfolio Management, OKRs und PI Planning dazu beitragen können, Transparenz, Priorisierung und Zusammenarbeit in der Bundesverwaltung zu verbessern.
Sein Erfahrungsbericht machte gleichzeitig deutlich, dass solche Veränderungen Zeit benötigen, nicht geradlinig verlaufen und ohne Vertrauen sowie aktive Führung kaum gelingen.
Severin Pfammatter stellte die agile Transformation im Kommando Cyber der Schweizer Armee vor. Sein Vortrag ging der Frage nach, ob SAFe in einer militärisch geprägten Kultur überhaupt funktionieren kann.
Die Antwort aus der Praxis: Ja – wenn die Transformation durch das Management getragen wird, Mitarbeitende einbezogen werden und die Weiterentwicklung der Kultur genügend Raum erhält.
Beide Beispiele zeigen: Agilität ist nicht auf bestimmte Branchen oder Organisationsformen beschränkt. Sie muss jedoch immer im jeweiligen Kontext gestaltet werden.
6. Die Zukunft gehört lernfähigen Organisationen
Ein Thema zog sich durch zahlreiche Beiträge: Die Geschwindigkeit des technologischen Wandels macht kontinuierliches Lernen zu einer Kernkompetenz.
Armin Schöpfer und Kurt Glatzfelder thematisierten die Personalentwicklung im KI-Zeitalter. Ihr Ansatz betont, dass Mitarbeitende Verantwortung für ihre eigene Entwicklung übernehmen und Führungskräfte diese aktiv unterstützen müssen.
Andrea Söderberg unterstrich in ihrem Beitrag zu Lean-Agile Principles die Bedeutung von Klarheit, Vertrauen und Kultur.
Thorsten Janning wiederum zeigte in seinem Workshop zur Strategieentwicklung, wie KI-gestützte Analysen und partizipative Methoden zu besseren strategischen Entscheidungen beitragen können. Dabei wurde deutlich: Gute Strategie bedeutet nicht, immer mehr Initiativen zu starten, sondern auch bewusst auf Vorhaben zu verzichten.
Einen Blick auf die technologischen Grundlagen der KI-Entwicklung ermöglichte Joost VandeVondele vom Swiss National Supercomputing Centre (CSCS). Mit der Forschungsinfrastruktur Alps und dem offenen Sprachmodell Apertus zeigte er, welche Rolle leistungsfähige Infrastruktur, Transparenz und wissenschaftliche Zusammenarbeit für eine eigenständige KI-Entwicklung in der Schweiz spielen.
All diese Perspektiven verbindet eine Erkenntnis: Zukunftsfähigkeit entsteht dort, wo technologische Innovation mit menschlicher Lernfähigkeit und organisatorischer Anpassungsfähigkeit zusammenkommt.
Unser Fazit: Leadership bleibt der entscheidende Erfolgsfaktor
Das AI Leadership Forum und das SAFe Leadership Forum 2026 haben gezeigt, wie eng KI, Agilität und Leadership mittlerweile miteinander verbunden sind.
Technologie kann Prozesse beschleunigen, Informationen zugänglich machen und neue Möglichkeiten eröffnen. Frameworks können Orientierung und Struktur geben. Doch ob daraus nachhaltiger Mehrwert entsteht, hängt davon ab, wie Organisationen geführt werden.
Es braucht Führungskräfte, die Verantwortung übernehmen, Mitarbeitende befähigen und den Mut haben, bestehende Denkweisen infrage zu stellen.
Ein herzliches Dankeschön an alle Speaker, Teilnehmenden, Partner und Sponsoren, die mit ihren Erfahrungen, Fragen und Diskussionen zu diesen beiden Konferenzen beigetragen haben.
Wir freuen uns darauf, den Dialog fortzusetzen.
Dann gehen das AI Leadership Forum und das SAFe Leadership Forum in die nächste Runde.







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